Geradestehen oder dumm dastehen…für Jesus
Sonntag, 8. September 2019

Geradestehen oder dumm dastehen…für Jesus

Prediger/in:
Passage: 2.Korinther 4,3-7
Dienstart:

Warum fällt es uns so schwer, in einem säkularen Umfeld von Jesus und unserem Glauben zu reden? Wie macht man das am besten? Was könnte mir dabei helfen? Keine Standpauke, aber eine Motivationsspritze!


 

«Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel» (Lukas 9,26 Lu).

Als unser Nachzügler Benjamin mit 12 Jahren zum Zahnarzt sollte, sagte er: «Mama, du musst mitkommen, aber gell du fährst mit einem Bus vor mir». Er schämte sich, mit seiner knapp über 50jährigen Mutter im selben Bus zu fahren, es könnte ja sein, dass eine Schulkollegin oder –Kollege im selben Bus unterwegs ist. Als Mama konterte: «Dann kannst du alleine gehen!», gab er klein bei, trottete im Sicherheitsabstand hinter meiner Frau zur Bushaltestelle, reiste mit demselben Bus wie sie, sass aber einige Reihen hinter seiner Mama! Natürlich gab es in der Schule auch Elternabende. Vor einem solchen Anlass meinte unser Sohn: «Ich gehe allein zu diesem Treffen, die Lehrerin hat gesagt, beide Eltern müssten nicht unbedingt kommen.» Wir gingen trotzdem! Es ist nicht leicht, wenn Kinder nicht zu ihren Eltern stehen! Es ist nicht leicht, wenn Kinder nicht zur ihren Geschwistern stehen, wenn z.B. eines leicht oder schwer behindert ist. Es ist auch nicht leicht, wenn Gotteskinder nicht zu ihren Geschwistern stehen! Und wie ist es wohl für unsern himmlischen Vater, wenn wir uns nicht überall zu ihm bekennen können und uns davor drücken? Wenn du in den Gottesdienst gehst, ins glow oder in den Hauskreis, an einen Gebetsabend – redest du vor andern Klartext, oder hast du dann vor deinen Kollegen einfach «etwas los» oder «bist besetzt»? Ich habe mich manchmal dabei ertappt, so zu reagieren! 😊

Noch ein Beispiel, bei dem ich gar nicht gut dastehe: Im Frühjahr besuchten wir als Gruppe im Stapferhaus in Lenzburg die Ausstellung «Fake. Die ganze Wahrheit». Von einer Dame wurden wir zu Beginn ins Thema eingeführt. Sie begann mit der Frage «Was ist Wahrheit?» und lud uns ein, unsere Meinungen zu äussern. Ich habe sofort an Jesus gedacht, der von sich gesagt hat «Ich bin die Wahrheit» aber ich brachte den Mund und den Mut nicht auf, auf Jesus hinzuweisen. «Shame on you, Berni!» Wie habe ich mich nachher darüber geschämt und auch geärgert! Wir haben uns wohl schon alle geärgert über eine lahme Zunge, wenn wir es  verpasst haben, in einer perfekten, fast einzigartigen Situation etwas über Jesus zu sagen. Eigentlich ist dies eine sehr ernst Angelegenheit, wenn Jesus auch im Matthäus-Evangelium sagt: «Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel» (Matthäus 10,32-33 Lu). Ich will aufgrund dieser und ähnlichen Bibeltexten eine erste Frage stellen:

Warum fällt es uns so schwer, in einem säkularen Umfeld von Jesus und unserem Glauben an ihn zu reden?

Der Philosoph Charles Taylor fragt in seinem Buch «Ein säkulares Zeitalter»: «Warum war es in unserer abendländischen Gesellschaft beispielsweise im Jahre 1500 praktisch unmöglich, nicht an Gott zu glauben, während es im Jahr 2000 vielen nicht nur leichtfällt, sondern geradezu unumgänglich vorkommt?» Unsere Gesellschaft ist in den letzten Jahrhunderten immer säkularer geworden, vor allem in der 1. und 2. Welt. Heute haben Gott und Glaube in allen Bereichen unseres Lebens immer weniger Einfluss, oder man kann sogar sagen «störenden Einfluss». Deshalb wundert es uns nicht, dass wir weltweit einer noch nie dagewesenen Christenverfolgung ausgesetzt sind. Es ist bei uns zum Glück noch nicht verboten, an Gott und sein Wort zu glauben, aber es wird zunehmend schwieriger. Obwohl heute noch relativ viele Menschen traditionell glauben und irgendwelche Kirchen besuchen, ist vielen eine persönliche Beziehung zu Gott fremd. Die allgemeine Verweltlichung hat alte Glaubensüberzeugungen verwässert. Taylor sagt in seinem Buch, dass der moderne Säkularismus in einem Denkschema gefangen ist, der alles Übernatürliche einer transzendenten Welt der eigenen Wahrnehmung unterstellt. So nach dem Motto: «Ich bestimme selbst wer ich bin und wer ich einmal sein werde. Ich bestimme selbst was Sinn macht und was nicht. Ich habe es auch nicht nötig, irgendwelche Instanzen ausserhalb von mir zu fragen, wie ich leben soll». Aber: Sollte jemand im Gefängnis von diesem Denkschema noch ein offenes Türchen haben für Gott, dann muss dieser Gott vor allem da sein um Gutes zu tun und Schlechtes zu verhindern. Gott ist nie ein Thema, aber nach jeder Naturkatastrophe, nach jedem Terroranschlag wird gefragt: «Warum hat Gott das zugelassen? Wo war Gott? Wenn es einen Gott gäbe, dann müsste er doch für uns Menschen nützlich sein!» Und jetzt kommen wir Christen, reden von Sünde und Schuld, wohl bestückt mit Bibelstellen... schwärmen von unserem Heiland und Erlöser, der uns in seiner Gnade neues Leben anbietet… Aber kann man heute überhaupt noch mit den Menschen über die Bibel, Gott und Jesus reden? Wir sagen voller Überzeugung «Ja», die Frage ist nur:

Wie macht man das am besten?

Unsere gegenwärtigen Umstände sind von Paulus bestens beschrieben im 2. Korinther-Brief: «Wenn die gute Botschaft, die wir verkünden, für jemanden wie hinter einem Schleier erscheint, zeigt das nur, dass er verloren ist.  Der Satan, der Gott dieser Welt, hat die Gedanken der Ungläubigen so verblendet, dass sie das herrliche Licht der Botschaft nicht wahrnehmen können. Damit bleibt ihnen unsere Botschaft über die Herrlichkeit von Christus, der das Ebenbild Gottes ist, unverständlich» (2.Kor 4,3-4 NL). Das ist die Realität und die tut uns Christen weh: Wenn du für Jesus geradestehen willst, dann kann man das Wort «geradestehen für Jesus» ersetzen mit erleiden, ertragen oder durchstehen für Jesus. Wir erleben das aktuell, weil unser Verhalten als Christen nach den «sittlichen Massstäben» unserer Gegner verwerflich ist: z.B. wenn wir einstehen gegen die Abtreibung; wenn wir den Begriff Ehe reservieren wollen für die Beziehung zwischen Mann und Frau; oder dagegen sind, das gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren können. Da kommen wir schlecht an! Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir das sind, was Jesus aus uns gemacht hat, nämlich Salz der Erde und Licht in dieser Welt! Uns braucht es! Wenn es uns nicht gäbe; wenn es euch alle nicht gäbe mit eurem Glauben und eurer Hoffnung, dann wäre es im wahrsten Sinne des Wortes auf dieser Welt «himmeltraurig»!

Wir sind und bleiben die geliebten Kinder unseres himmlischen Vaters. Jesus wohnt in unseren Herzen durch den Heiligen Geist. In ihm haben wir die Hoffnung auf eine einzigartige Zukunft nach unserem Ableben. An unseren festen Säulen des christlichen Glaubens kann der gegenwärtige antichristliche Hurrikan der Stufe 5 nichts zerstören! Es wäre nicht der erste Sturm, den Jesus besänftigt hätte! Das liegt in seiner Macht! Paulus hat im Korintherbrief gesagt: «… jeder kann sehen, dass unsere Kraft ganz von Gott kommt und nicht unsere eigene ist». So ist es auch für uns als Salz und Licht. Der Herr ist es, der dich zum Licht und zum Salz macht. Für eine Stadt, die auf einem Berg liegt ist es schwierig verborgen zu bleiben. Und Jesus, der das Licht in dir angezündet hat, stellt dich auch nicht unter ein Gefäss, nein, du bist für Jesus eine Ständerlampe – oder eine Steh-Lampe! Nicht eine Dumm-Dasteh-Funzel! Grundsätzlich müssen wir im Hinterkopf behalten: Wir müssen weder uns noch Gott  verteidigen oder rechtfertigen. Das macht er selbst. Du kannst auch niemanden bekehren, das muss der Heilige Geist tun im Auftrag des souveränen Gottes. Der HERR spricht:«Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich» (2.Mose 33,19).

Das Zusammenspiel einerseits von uns Menschen im Suchen nach Gott und andrerseits dem gnädigen Entgegenkommen von Gott – ist ein grosses Geheimnis. Warum durftest gerade du, Jesus und das was er für dich getan hat, begreifen? Es ist ein Geheimnis! Das ist auch in den Zeugnissen der Getauften am letzten so sehr gut zum Ausdruck gekommen! Doch da waren auch immer gläubige Menschen beteiligt, die ihren Glauben bezeugt und authentisch vorgelebt haben. Geduldig und liebevoll haben sie ihre suchenden Freunde begleitet! «Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel…»  Zum Begriff «bekennen». Was steckt in diesem Wort? Im griechische Wort: «homologeo» stecken zwei Worte drin, die wir eigentlich schon kennen. «Homo» heisst «gleich». Und im Wort logeo, da steckt «Logos» drin, das Wort. Ein Herr Baader, der sich die Mühe genommen hat, den Codex Sinaiticus zu übersetzen, hat aus diesem griechischen Griff das deutsche Verb «gleichworten» kreiert = gleich reden. Die Worte die wir über Jesus und Glauben aussprechen, sollen den Worten entsprechen, die du in dir von ihm aufgenommen hast und auch den Worten, die du aus der Bibel, dem Wort Gottes, aufgenommen hast. Wenn Jesus für dich der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, entspricht dein Reden über Jesus dieser Wahrheit, auch wenn du andere Worte brauchst. Zum Schluss nochmals die Frage: Wie macht man das am besten, sich vor andern zu Jesus zu bekennen?

 

  • Vor dem Bekennen kommt das Erkennen! Bevor du leuchten kannst, muss es zuerst dir einleuchten. Gib dir Mühe, Jesus und seine Worte zu begreifen, dass du sie in dir hast! Als Jesus die Jünger fragte, was sie meinen wer er sei, antwortete Petrus: «Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes»!! Rede nur von dem, was du begriffen hast.
  • Rede einfach persönlich von dem, was du von Jesus verstanden hast und du persönlich mit ihm erlebt hast. Dann sind dir offene Ohren fast garantiert. Aber wenn du deinem Gegenüber Religionsunterricht erteilen willst oder ihm eine Predigt halten willst, endet das Gespräch meist schneller als dir lieb ist.
  • Du bist immer an deinem dir zugewiesenen Platz, Salz und Licht für Jesus. Egal ob du introvertiert oder extrovertiert bist, das Herz auf der Zunge hast oder in den Fingerspitzen – du bist auch als Neuschöpfung immer du – und am Drücker ist immer Jesus! Je mehr du dich freust, zu Gott zu gehören, desto mehr strahlst du diese Freude aus.
  • Und vergiss nie: Wenn du Christ bist, dann hast du das Wichtigste und das Beste erlebt, was ein Mensch je erleben kann! Dann mögen die anderen meinen, dass du jetzt dumm dastehst, aber sie irren sich!
  • Ich weiss, es ist schwer auszuhalten, in einer so säkularen und widergöttlichen Umgebung zu leben als Christ. Aber wir haben einander! Wir können uns gegenseitig ermutigen und aufstellen! Das ist gut so und das brauchen wir! Wir brauchen das welcome home!

 

 

 

  • Das Zückerchen kommt jetzt noch zum Schluss: Im Hebräerbrief lesen wir: «So haben nun Jesus und alle, die er heiligt, denselben Vater. Deshalb schämt sich Jesus nicht, sie seine Brüder zu nennen» (Hebräer 2,11 NL). Und ebenfalls im Hebräerbrief, einige Kapitel später: «Aber sie suchten nach einem besseren Ort, einer Heimat im Himmel. Deshalb schämt Gott sich nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt im Himmel gebaut» (Hebräer 11,16 ). Jesus schämt sich nicht, uns seine Geschwister zu nennen! Der himmlische Vater schämt sich auch nicht, wenn wir zu ihm sagen «Du bist mein Vater»!

Amen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

  1. Matthäus 10,32-33 spricht von Jesus, der sich auch nicht «vor dem himmlischen Vater» zu uns bekennt, wenn… Hingegen in Lukas 12,8-9 heisst es «vor den Engeln» – ein Widerspruch?
  2. Erzählt einander von euren «Bekenner-Erlebnissen»!
  3. Wie können wir verhindern, dass der Zeitgeist uns mundtot macht?
  4. Wie kann sich die Tatsache, dass wir uns als Christen in der säkularen Welt auf keine Art und Weise zu schämen brauchen, uns praktisch helfen, für unsern Glauben geradezustehen?
  5. Wenn Jesus und der himmlische Vater sich nicht schämen für uns fehlerhafte Christen – in welchem Fall wird er sich doch nicht zu uns bekennen?
  6. Was bringt es dieser gottlosen Welt, wenn wir trotz allem Licht und Salz sind; einen guten Geruch für Jesus verbreiten; ein Brief sind den andere lesen können, usw.
  7. Hast du Glaubensgeschwister, die für dein Zeugnis beten und umgekehrt auch?
  8. Kannst du dich ohne Scham outen, dass du zur seetal chile gehörst? Und auch zu all den Leuten, die ebenfalls hier ein- und ausgehen?