Die Metamorphose des Petrus

Datum: Sonntag, 28. Februar 2021 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: 1. Petrus 1, 13-16

Wir fragen uns, wie die Erlebnisse von Petrus seine Metamorphose beeinflusst haben.


Die Metamorphose des Simon Petrus beginnt am Ufer des Sees Genezareth wo er zusammen mit drei andern die Fischernetze reinigt. Da kommt Jesus. Er schaut Simon ganz lange und aufmerksam an und sagt: «Du bist Simon, der Sohn des Johannes, doch du wirst Kephas genannt werden» – das ist das aramäische Wort für Petrus und bedeutet «Fels» (Joh. 1,40-42). Jesus ist bald umringt von einer Menschenmenge. Er steigt zu Simon ins Boot und predigt. Nach der Predigt sagt Jesus zu Simon Petrus: «Nun fahr weiter hinaus und wirf dort deine Netze aus, dann wirst du viele Fische fangen. «Meister», entgegnete Simon, «wir haben die ganze letzte Nacht hart gearbeitet und gar nichts gefangen. Aber wenn du es sagst, werde ich es noch einmal versuchen.» Tatsächlich, die Netze sind so voll Fische, dass sie zu reissen drohen. Das Boot ist völlig überladen. Als Simon Petrus begreift, was da geschehen ist, fällt er vor Jesus auf die Knie und sagt: «Herr, kümmere dich nicht weiter um mich - ich bin ein zu großer Sünder, um bei dir zu sein» (Lukas 5,8 NL ). Jesus sieht das anders. «Hab keine Angst, Simon! Von jetzt an wirst du Menschen fischen.» Petrus lässt mit den drei andern alles liegen und sie folgen Jesus nach. Stichwortartig könnte man diesen Start so zusammenfassen: Du begegnest Jesus. Jesus schaut dir in die Augen und du spürst: Jesus weiss alles über dich. Dir wird bewusst, wie schlecht du vor ihm dastehst, aber die Liebe, die dir von ihm entgegen kommt, ermutigt dich, dich ihm zu öffnen. Du sagst Ja und gehst mit ihm, wie die vier Fischer damals.  Als Jesus später mal seine Jünger fragt, was sie denken wer er sei, antwortet Simon: «Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!» (Matth. 16,16) Jesus antwortet: «Glücklich bist du, Simon, Sohn des Johannes. Denn das hat dir mein Vater im Himmel offenbart. Von einem Menschen konntest du das nicht haben. Von nun an sollst du Petrus heißen. Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und alle Mächte der Hölle können ihr nichts anhaben. Ich werde dir die Schlüssel zum Himmelreich geben. Was du auf der Erde bindest, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde öffnest, wird auch im Himmel offen sein» (Matthäus 16,17-19 NL). Petrus hat diese Eingebung Gott zu verdanken. Zusätzlich bekommt er von Jesus eine ganz persönliche Verheissung zugesprochen.

Die ersten Erlebnisse der Jünger

Was die Jünger zuerst erleben, erinnerte sehr an den Umgang eines Rabbis mit seinen Schülern. Das ist wie eine Bibelschule – verbunden mit praktischen Einsätzen. Jesus sucht immer die Nähe der Menschen. Die Jünger staunen über so vieles, was Jesus mit seiner göttlichen Kraft bewirken kann: Kranke werden auf der Stelle gesund, Leute von Dämonen befreit. Tote werden auferweckt. Alles, was sie hören und erleben ermutigt sie und stärkt sie im Glauben. So ist es doch auch bei uns. Wenn ein Erlebnis mit Gott erzählt, oder dir erzählt, wie eine Predigt ihn sehr angesprochen und weitergebracht hat, dann freust du dich mit. Wenn die Jungschärler ganz begeistert von einem Camp nachhause kommen, freut es nicht nur die Omis und Opas, sondern uns alle! Wenn ihr in der Kleingruppe eine Gebetserhörung erlebt, sind das Aufsteller für alle. Lehrlinge dürfen auch Fehler machen. Auch Petrus mit den andern 11 Kollegen!

Ab und zu treten sie tüchtig ins Fettnäpfchen: Als Mütter ihre Kinder zu Jesus bringen wollen, jagen sie sie fort! Völlig an der Absicht von Jesus vorbei! Oder: Die Jünger sind in einem schweren Sturm auf dem See unterwegs und Jesus schläft friedlich – sie wecken ihn wollen ihn überzeugen, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Jesus fragt nur: «Warum habt ihr Angst? Ist euer Glaube denn so klein?» (Matthäus 8,24 NL) Wie oft warst du schon am Ende und hast aufgehört zu beten. Du ruderst wie wild durchs Leben und bist überzeugt, dass dir jetzt niemand mehr helfen kann, auch Jesus nicht. Dabei weisst du doch ganz genau, du bist nicht allein. In den Stürmen deines Lebens ist Jesus bei dir im Boot, egal wo du bist.

Besondere Petrus Erlebnisse

Wer an Petrus denkt, denkt natürlich auch an die nächtliche Bootfahrt der Jünger, als Jesus ihnen wie ein Gespenst auf dem Wasser begegnet (Mt. 14,26ff). Jesus beruhigt sie: «Don‘t worry! Ich bin‘s. Habt keine Angst!» Dann wieder Petrus spontan: «Wenn du es bist, dann ruf mich, zu dir zu kommen auf dem Wasser!»« Also komm» ruft Jesus ihm zu. Mich erstaunt, dass keiner von den 11 andern rief: «Darf ich auch?» Als Wind und Wellen wieder stärker werden, bekommt es Petrus mit der Angst zu tun und sinkt. «Herr, hilf mir!»  schreit er. Jesus gibt ihm die Hand und zieht ihn hoch. «Du Kleingläubiger», sagte er, «warum hast du gezweifelt?» Jesus hält uns da einen Spiegel vor die Augen! Warum sind auch bei uns Glaube und Zweifel manchmal so nah beieinander.

Jesus nimmt eines Tages Petrus und zwei andere Jünger mit auf einen Berg um zu beten. Die Jünger verschlafen die Gebetszeit, aber erwachen doch rechtzeitig, um zu sehen wie Jesus in einer Vision mit Mose und Elia spricht. Petrus ist so begeistert von diesem Meeting, dass er sich gleich bereit erklärt, für Mose, Elia und Jesus je eine Hütte zu bauen. Im Markus-Evangelium heisst es über Petrus hier: «Er wusste nicht so recht, was er redete.»

Es wäre so schön, wenn ein Jugendfreizeit am Meer nie zu Ende ginge – oder ein Gemeindewochenende, eine Gemeindefreizeit… eine Bibelschulzeit… !! Plötzlich ist alles vorbei und sie sehen nur noch Jesus! Wenn du in Gefahr bist, nach einem wunderschönen Event in ein Loch zu fallen, ist es entscheidend, ob du Jesus im Auge behältst oder nicht!

Fragen

Petrus hat Jesus immer wieder mal Fragen gestellt z.B.:«Herr, wie oft soll ich jemandem vergeben, der mir unrecht tut? Sieben Mal?» «Nein!» antwortete Jesus, «siebzigmal sieben Mal!»(Matthäus 18,21-22 NL) Ob Petrus erlebt hat, dass jemand ihm oft Unrecht tut? Vergeben können, zweimal geht schon kaum und siebenmal scheint uns unmöglich! Die Antwort von Jesus ist hohe Schule! «Hör auf mit Zählen, vergib einfach.» Sich entschuldigen können und vergeben – wohl dem, bei dem diese beiden Unmöglichkeiten mit Gottes Hilfe schon mutiert sind zum «Yes, I can!»

Eine andere Frage von Petrus macht uns stutzig: «Wir haben alles aufgegeben, um dir nachzufolgen. Was werden wir dafür bekommen?» (Matthäus 19,27 NL) Wir schütteln vielleicht den Kopf, aber solche Gedanken regen sich doch manchmal auch in uns: «Ich habe mich doch so eingesetzt für die Gemeinde, so viel Freiwilligenarbeit geleistet… Da sollte doch etwas für mich rausschauen – hier schon und nicht erst im Himmel!» Die Antwort die Jesus Petrus gab, kann man sinngemäss so ausdrücken: «So kann nur fragen, wer noch nicht verstanden hat, was das ewige Leben im Reich Gottes mit sich bringen wird!» Ich bin überzeugt, wenn wir mal in Gottes Reich einziehen, werden wir alle vergessen haben, nach dem Lohn zu fragen. Weil alles so umwerfend schön und herrlich sein wird! Dir schlimmste Frage der Jünger war eine gemeinsame Frage, die in einen Streit ausartete: Wer ist wohl der Grösste von uns?! Lektion von Jesus: «Wenn jemand der Erste sein will, muss er den letzten Platz einnehmen und allen dienen» (Markus 9,35 NL). Willst du gross sein, dann sei ein Diener! Willst du gross sein, dann nimm ein Kind auf!

 

Grundsätzliches

Unsere Metamorphose findet im Trubel und Lärm der Welt statt. Mitten in unsern Flips und Flops des Glaubens. Das ist keine stets aufwärts gezogene Linie. Da geht es auf und ab. Aber in den täglichen Herausforderungen wird unser Glaube stärker und tragfähiger,  auch wenn wir von unsern Fehlern lernen. Petrus ist mal tüchtig gestolpert. Als Jesus seine Jünger vorbereitete auf das, was in Jerusalem auf ihn zukommen wird und von seinem Leiden und Sterben sprach, reagierte Petrus forsch: «Das darf nicht sein, Herr», sagte er «Das darf auf keinen Fall geschehen!» Jesus drehte sich zu Petrus um und sagte: «Geh weg von mir, Satan! Du willst mich in die Falle locken. Du siehst die Dinge nur mit den Augen der Menschen und nicht, wie Gott sie sieht» (Matthäus 16,21-23 NL).

Auch wenn wir uns mitten in einer Metamorphose befinden, wo wir verändert werden in ein ganz und gar vom Geist Gottes geprägtes Wesen: Wir sind und bleiben vorläufig immer noch Menschen und daher müssen wir darauf achten, nicht immer nur menschlich zu reden, menschlich handeln, menschlich zu sehen, menschlich zu urteilen und menschlich zu entscheiden. Sondern sollten uns fragen, wie Gott die Sache sieht; und dann reden, wie er redet. Urteilen oder entscheiden wie er urteilen und entscheiden würde. Nicht dass er uns denselben Vorwurf machen muss, wie Petrus: «Du siehst die Dinge nur mit den Augen der Menschen und nicht, wie Gott sie sieht.»

Wenn wir so das Leben von Petrus verfolgen, merken wir schnell: Er war ein Christ wie du und ich heute: mit unsern guten und schlechten Zeiten, mal mit grossem Vertrauen, mal mit Zweifeln, mal mit berechtigten Fragen, mal mit doofen Fragen, mal finden wir Jesus zum Davonlaufen, dann wieder zum Bleiben…  Als viele Jünger Jesus davonliefen, fragte Jesus seine 12: «Werdet ihr auch weggehen?»  Petrus antwortete: «Herr, zu wem sollten wir gehen? Nur du hast Worte, die ewiges Leben schenken. Wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige Gottes bist» (Johannes 6,67-69 NL).

Wir beten zum Schluss das Unser Vater, weil es kaum ein anderes Gebet gibt, das uns in ständiger Metamorphose hält, wie dieses: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern errette uns vor dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

 

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Petrus 1,13-16

  1. Petrus hat auf interessante Weise zu Jesus gefunden. Wie war das bei dir? Lk 5,1ff
  2. Petrus hat als Erstes ein Fischfang-Wunder erlebt. Wie erklärt ihr euch seine Reaktion darauf? (vor Jesus auf die Knie fallen, «ich bin ein zu grosser Sünder…» usw. Lk 5,1ff
  3. Warum rühmt Jesus in Mt 16,16-19 den Jünger Petrus so übermässig? Er bekommt sogar eine Verheissung für die Zukunft – und die andern 11?
  4. Was meint ihr zum Führungsstil von Jesus? Für einen speziellen Moment nimmt er immer die drei gleichen Jünger mit. (Berg der Verklärung Mt 17,1ff; Auferweckung der Tochter des Jairus Lk 8,49; Jesus in Gethsemane Mt 26,37) Schürt das nicht Eifersucht?
  5. Versetzt euch in die Rolle der 11 Jünger. Wie hättet ihr reagiert, als Petrus über das Wasser zu Jesus gehen wollte?
  6. Warum eignet sich das Unser Vater – Gebet als Gebet für unsere Metamorphose besonders?