Abram im Clinch

Datum: Sonntag, 2. Februar 2020 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Epheser 1,3
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Wie lebt ein Gottesmann unter Gottes Segen im Alltag? Und wenn er plötzlich in den Clinch kommt und Angst sich breit macht? Was wir von einem alttestamentlichen Segensträger im Jahr 2020 lernen können.


Abram ist ca. 70 Jahre alt, als er wegzieht von Ur in Chaldäa, mit seinem Vater Terach und seiner Frau Sarai die unfruchtbar ist. Sein Neffe Lot ist auch dabei, dem sein Vater früh gestorben war. Ziel der Reise ist Haran; entweder dem Euphrat oder dem Tigris entlang, über 1000 km weit! (1.Mose 11,31) Dort stirbt Vater Terach und wird begraben (V 32). In Haran erscheint Abram Gott und sagt zu ihm, er soll mit all seinem Hab und Gut von dort wegziehen in ein Land, das Gott ihm zeigen werde. Dazu bekommt er einige Segens-Verheissungen: «Ich will dich zum grossen Volk machen; ich will dich segnen und dir einen grossen Namen machen; du sollst ein Segen sein; ich will die segnen, die dich segnen; alle noch kommenden Geschlechter auf der Erde werden durch dich gesegnet werden» (1. Mose 12,2ff Lut). Abram zieht aus (75jährig), mit seiner Frau Sarai, mit Lot, mit der ganzen Karawane, mit Knechten und Mägden. Ihr Ziel: Das Land Kanaan! Nach einem Weg von 600 km erreichen sie Sichem. Dort bekommt Abraham eine weitere Verheissung: Gott sagt ihm, das Land Kanaan, wo sie nun sind, werde er seinen Nachkommen geben. Hier baut Abram Gott einen Altar und betet ihn an und opfert ihm. Doch Abram zieht es ins Bergland, wo er über das ganze Land blicken kann. Etwa 30 km südlicher, im Bergland zwischen Bethel und Ai, bauen Abram und seine Leute ihre Zelte für längere Zeit auf. Abram errichtet wieder einen Altar und betete dort seinen Gott an.

Nun erlauben wir uns eine Zwischenfrage: Wie hat sich Gottes-Segen im Leben von Abram bisher erkenntlich gezeigt? Antwort: Gott hat Abram erwählt und berufen. Er liebt ihn. Er ist von Gott wertgeschätzt und erhält die grosse Aufgabe, Stammvater zu werden von einem grossen Volk. Gott spricht zu ihm. Seine Nachkommen werden einmal dieses grosse Land besitzen. Abram wird es nicht mehr erleben, aber er kann es jetzt anschauen. Gott hat ihn begleitet und Gnade gegeben zu seiner weiten Reise. Er hat die ganze Karawane beschützt. Abram weiss Gott in seiner Nähe. Er pflegt die Beziehung zu Gott und er hat einen Platz der Anbetung und des Opferns. Wie Abram, sind auch wir Gesegnete im Glauben an Jesus Christus. Wenn wir uns jetzt fragen, wie wir den Segen von Gott erleben, dann entdecken wir Ähnliches wie bei Abram. Paulus fasst es so zusammen im Epheserbrief: «Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Gepriesen sei er für die Fülle des geistlichen Segens, an der wir in der himmlischen Welt durch Christus Anteil bekommen haben» (Epheser 1,3 NGÜ).

Was das beinhaltet beschreibt Paulus in diesem 1. Kapitel vom Epheserbrief: «Wir sind gesegnet durch unsere Beziehung zu Gott; wir haben Zugang zu ihm; wir beten ihn an und er hört uns! Gott spricht zu uns. Er ist zu jeder Zeit und an jedem Ort bei uns. Er begleitet uns auf unserer Lebensreise.  Wir erleben seine Liebe, seine Vergebung, seine Erlösung; er gibt uns allerlei Gaben, Hoffnung, Ansehen; wir sind Kinder Gottes; wir leben im Reichtum seiner Gnade. Wir sind informiert über unsere fernste Zukunft.» Als ich diese Zeilen schrieb wurde mir mit Schrecken bewusst, dass man sich an all das Gute, das wir in Jesus Christus haben, gewöhnen kann und gedankenlos durch den Tag geht.

 

Wir achten auf unser Outfit; duschen französisch mit einem Eau de Toilette, weil die Zeit knapp ist; checken ob alles im Rucksack, in der Tasche oder in der Mappe ist… und dann ab die Post! Wer denkt denn noch daran, dass wir reich gesegnet in jeden neuen Tag hinein gehen können. Gesegnet für uns selbst für andere. Wenn Gott dir sagt «Du bist gesegnet und sollst ein Segen sein für andere, dann ist das so. Sein Wort ist wahr und gilt. Gesegnete Menschen werden von Gott gelenkt, das zu tun, was Gott segnend tun will. Der Segnende ist immer Gott. Friedrich von Bodelschwingh hat sogar mal gesagt: «Niemand empfängt einen Segen nur für sich selbst.» Er geht immer weiter, ob wir es merken oder nicht. Darum ist es mein Gebet: «Herr bewahre mich vor einem schlafwandelnden Trott unter Gottes Segen. Ich will wach sein für deinen Segen und für dich da sein, wenn du durch mich andere segnen willst!»

Halbe Wahrheit und halbe Lüge

Und jetzt wird die Abrams-Geschichte plötzlich spannend! Eine Dürreperiode bricht im Land aus. Trockenheit, Hunger… Ist das jetzt Segen? Hast du nicht schon Ähnliches erlebt? Du warst Gott so nahe. Du hast seine Nähe, sein Segnen erlebt – und jetzt?! Du verstehst Gott und die Welt nicht mehr! Wie würdest du als Abram so eine Enttäuschung aufnehmen Abram fragt nicht lange, sondern entscheidet mit seiner Sippe nach Ägypten zu ziehen. Er zielt einen Ort an, wo keine Trockenheit ist, sondern fruchtbares Land – in Ägypten im Bereich vom Nildelta. Das ist auch Segen, dass er das überhaupt erfahren hat! Im Nildelta wurde das Land  im Laufe der Jahrhunderte immer wieder überschwemmt,  so dass sich ein fruchtbarer Schlammboden bildete. Die Erträge der Landwirtschaft waren in jener Gegend enorm! Weizen und Gerste, Obst- und Weingärten, Feigenbäume, gab es in Hülle und Fülle. Dieses Gebiet bot auch Weideplätze für Rinder. In dieser fast paradiesischen Gegend liessen sich gerne auch die Pharaonen nieder. Doch Abram hat nur ein Problem: Er hat eine sehr schöne Frau! (!) Es könnte ja sein, dass Sarai unter den Ägyptern Begehrlichkeiten weckt und dann werden sie ihn umbringen und ihm seine Frau wegnehmen. Er sagt zu Sarai:«So sage doch, du seist meine Schwester, auf dass mir's wohlgehe um deinetwillen und ich am Leben bleibe um deinetwillen» (1.Mose 12,13 Lut). Sag doch du seist meine Schwester, dann geht es mir und dir besser… Wie kommt das bei dir als Ehefrau an? Tönt das nicht gottlos egoistisch von Abram? Abram will in Ägypten einreisen mit einer halben Wahrheit und einer halben Lüge. Abram und Sarai hatten nämlich denselben Vater, aber nicht die gleiche Mutter.

Es kam, wie es kommen musste: Dem Pharao fiel die Schönheit der Sarai auf und befahl seinen Leuten spontan «Bringt die Schwester von Abram zu mir!» Als Gegenleistung bekam Abram Schafe, Rinder, Esel, Kamele und dazu noch Knechte und Mägde. Doch die Freude des Pharaos an Sarais Schönheit dauert nur einen Augenblick. Er selbst und sein ganzer Hof-Stab werden schwer krank. Pharao merkt, dass das ein übernatürliches Zeichen sein muss. Diese Frau muss geschützt sein von einem allmächtigen Gott! Er ruft Abram zu sich und machte ihm schwere Vorwürfe: «Warum hast du mir das angetan? Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie deine Frau ist und nicht deine Schwester? Da hast du deine Frau wieder, nimm sie und verschwinde!» Peinlich, wenn ein weltlicher Staatsmann einem Mann Gottes so bloss stellen muss. Es fällt auf, dass Gott gar nichts sagt zum fragwürdigen Verhalten des Stamm-Vaters vom Volk Gottes. Vielleicht dachte er: Abram und Sarai haben ihre Lektion schon gelernt. Zum guten Ende sendet der Pharao noch seine Leute als Begleitung mit Abram, dass sie ihn mit seinem Hab und Gut beschützen und gut über die Grenze bringen. Mit Abram und seiner Karawane verschwindet auch die Krankheit am Hof des Pharao. Sie wandern zurück nach Bethel, wo sie schon auf dem Hinweg ihre Zelte aufgebaut hatten. Dort beim Altar, den er damals gebaut hatte. Und wieder betet er zu Gott, seinem Herrn.

Das Abram-Erlebnis in Ägypten stellt uns in Frage. Stehen wir nicht oft in Gefahr, genauso wie Abram, mit Halbwahrheiten umzugehen in brenzligen Situationen. Damit wir die Stelle nicht verlieren; oder Halbwahrheit in einem Bewerbungsschreiben, dass wir die Stelle bekommen; damit wir Freunde nicht verlieren gehen wir Kompromisse ein; damit wir als Christen vor andern nicht dumm dastehen frisieren wir unsere Meinung zur halben Lüge… usw. Das ist doch ein bisschen Abram – wie du und ich - oder?! Was machen wir nicht alles verkehrt, wenn die Angst uns packt? Angst ist der schlechteste Ratgeber! Da ist doppelte Vorsicht geboten. Jemand hat mal gesagt: Angst ist eine Beziehungsstörung! Das war so bei Abram in seiner  Beziehung zu Gott in jenem Moment. Diese Störung könnte es auch bei uns geben! Die Angst, Gott nicht zu genügen oder die Angst vor Glaubensschritten die herausfordern, das kratzt an unserer Gottesbeziehung. Das geschieht auch in unseren Beziehungen zu Nichtchristen, wenn wir Angst haben, dumm da zu stehen oder ausgelacht zu werden. Angst kann aufkommen, wenn du zu dir selbst eine Beziehungsstörung hast. Wir sind gesegnet in der Liebe Gottes. Darum ist Paulus berechtigt zu fragen: «Was kann uns da noch von Christus und seiner Liebe trennen? Not? Angst? Verfolgung? Hunger? Entbehrungen? Lebensgefahr?» (Römer 8,35 NGÜ)

Ich fasse zusammen

Wie geht das, als von Gott gesegnete Menschen zu leben? Es geht nicht um dein Tun und Machen, sondern um dein Sein. Gott hat zu Abram gesagt: Du sollst ein Segen sein! Und Sein ist alles andere als leisten, erarbeiten usw., sondern Sein bedeutet schlicht und einfach Sein – Gott machen lassen!! Es kann sein, dass du ein Segen bis für andere, ohne dass du es merkst!

Ein altes Sprichwort ist völlig daneben: Sich regen bringt Segen! Stimmt 100%ig nicht. Sich regen gilt dann, wenn Gott dir einen Auftrag gibt, weil er etwas mit tun möchte; wie bei Abram. Gott hat Abram den Befehl gegeben: «Geh!» Und Abram geht, ohne zu zögern und zu zweifeln. Wie oft hat Gott im Alten Testament den Propheten und Priestern die Wegweisung erteilt: Geh! Auch einzelnen Menschen. Wie oft hat Jesus im Neuen Testament diese Worte «Geh» oder «Geht» in den Mund genommen: Geh und versöhne dich mit deinem Bruder… Geh mit deinem Bruder eine zweite Meile… Geh in dein Kämmerlein, wenn du betest… Geht durch die enge Pforte… Geh und verkaufe, was du hast, und gib es den Armen… Geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie… lehrt sie…

Ich weiss nicht, wo und wann dir der Herr in der kommenden Woche sagen wird: Geh! Ich weiss nicht, wo und wann Gott dich zum Segen für andere werden lässt. Du musst es auch nicht wissen, sei und bleibe einfach da für IHN!

Mögliche Fragen für die Kleingruppen

Bibeltext lesen: 1. Mose 12, 1-20

  1. Wie kann uns das Geschenk des Segens von Gott vor Augen bleiben?

  2. Ein Segen sein für andere – stellt dich das unter Druck? Wenn ja – Warum? Wenn nein – warum nicht?

  3. Wie kann ich als Segensträger «durchfliessend» bleiben?

  4. Könnt ihr einander erzählen von ähnlich peinlichen Flops vor Nichtchristen, wie es Abram vor Pharao erlebt hat.

  5. Warum ist Abram nach seinem Fauxpas vor Gott ungeschoren davongekommen?

  6. Wer kann von einem Geh-Erlebnis erzählen?

  7. Quizfrage: Welcher Mann der Bibel ist getötet worden, wegen seiner bildschönen Frau?